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Künstliche Intelligenz kann heute beeindruckende Bilder erzeugen – perfekte Lichtstimmung, klare Perspektiven, harmonische Farben. Für viele wirkt das wie Konkurrenz zur Fotografie. Ich sehe es anders: KI ist kein Feind, sondern ein Werkzeug.
Denn Fotografie entsteht nicht erst im fertigen Bild, sondern lange davor. Es ist der Weg zum Motiv, das bewusste Wahrnehmen und die Entscheidung für einen bestimmten Moment. Genau darin liegt für mich der eigentliche Kern der Fotografie.
In einem Hinterhof lag ich beispielsweise auf dem Boden, um eine Spiegelung in einer Pfütze so einzufangen, dass sich die Schrift des IWALEWA-Haus klar darin zeigt. Perspektive, Timing und ein wenig Geduld haben dieses Bild erst möglich gemacht. Es war kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung.
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Ein anderes Motiv zeigt eine Makroaufnahme einer Schachbrettblume. Ein einzelner Wassertropfen hängt am Stängel – unscheinbar auf den ersten Blick, aber genau solche Details machen für mich den Reiz aus. Man muss sie sehen wollen und sich die Zeit nehmen, sie festzuhalten.
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Meine Fotografie bewegt sich bewusst in einer breiten Bandbreite. Architektur und Stadtfotografie gehören ebenso dazu wie urbane Erkundungen, Landschaften oder Details aus der Natur. Auch Makroaufnahmen, Pflanzen und Blumen spielen immer wieder eine Rolle. Gerade diese Vielfalt sorgt dafür, dass ich meinen Blick offen halte und Motive immer wieder neu entdecke.
Künstliche Intelligenz kann dabei unterstützen. In der Bildbearbeitung hilft sie, Abläufe zu beschleunigen oder große Bildmengen effizienter zu sichten. Manchmal nutze ich sie auch als Ideengeber – wie ein digitales Skizzenbuch, das neue Ansätze sichtbar macht. Das kann inspirierend sein und den kreativen Prozess ergänzen.
Was sie jedoch nicht kann: einen Moment erleben.
Sie kennt keinen Ort, keine Atmosphäre und keine Situation, in der ein Bild entsteht.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Veränderung unserer Zeit. Je einfacher es wird, technisch perfekte Bilder zu erzeugen, desto mehr rückt das Echte in den Vordergrund. Die bewusste Entscheidung, eine Perspektive einzunehmen. Das Warten auf Licht und Stimmung. Das Erleben eines Ortes.
Für mich bleibt Fotografie deshalb ein sehr persönlicher Prozess. Die Kamera ist mein Werkzeug, um genau diese Momente sichtbar zu machen – egal ob in der Stadt, in einem verlassenen Gebäude oder draußen in der Natur.
KI kann dabei unterstützen und neue Möglichkeiten eröffnen.
Aber das Bild entsteht immer noch dort, wo jemand mit offenen Augen unterwegs ist.