Ein Dialog der Kulturen und Kontraste
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Das Iwalewahaus ist weit mehr als eine Ausstellungsfläche; es ist das Herzstück der afrikanischen Gegenwartskunst an der Universität Bayreuth. Seit 2013 nutzt es die Räumlichkeiten der ehemaligen bayerischen Staatsbank – ein monumentaler Sandsteinbau, der heute als Brücke zwischen oberfränkischer Tradition und globaler Moderne dient.
Der Name „Iwalewa“ stammt aus dem Yoruba (Nigeria) und lässt sich mit „Der Charakter ist die Schönheit“ übersetzen. Dieser Leitgedanke spiegelt sich in der Identität des Hauses wider: Es geht nicht nur um das äußere Erscheinungsbild, sondern um die inneren Werte, die Geschichte und die kulturelle Vielfalt, die hier seit über 40 Jahren (gegründet 1981) erforscht und präsentiert werden. Das Archiv des Hauses beherbergt eine weltweit einzigartige Sammlung moderner Kunst, Musik und Alltagskultur aus Afrika und der Diaspora.
Die Ästhetik des Kontrasts
Bei meiner Ankunft am Iwalewahaus Bayreuth präsentierte sich das Gebäude zunächst unter einem wolkenverhangenen Himmel. Diese diffusen Lichtverhältnisse waren ideal, um die feinen, oft übersehenen Details des historischen Sandsteins ohne harte Schattenrisse zu dokumentieren. Doch das Wetter in Bayreuth ist wechselhaft: Nach einiger Zeit brach die Wolkendecke auf und tauchte die Fassade in strahlenden Sonnenschein. Dieser Umschwung veränderte die Bildwirkung radikal und erlaubte es mir, mit harten Kontrasten und grafischen Schattenwürfen zu spielen, die besonders in meinen Schwarz-Weiß-Ausarbeitungen die plastische Tiefe der Architektur betonen.
Um das Gebäude in seiner vollen Pracht und ohne die störende Unruhe des Stadtverkehrs festzuhalten, habe ich mein Vorgehen gezielt angepasst. Mit einer moderaten Weitwinkel-Einstellung erfasste ich die städtebauliche Präsenz des Hauses und seine Einbettung in die Bayreuther Altstadt. Da sich der Verkehr nur sporadisch zeigte, nutzte ich diese Momente für Langzeitbelichtungen. Dadurch verschwanden die wenigen Fahrzeuge in einer sanften Bewegungsunschärfe oder wurden gänzlich unsichtbar, was dem Iwalewahaus eine fast zeitlose, monumentale Ruhe verleiht. Für die filigranen Strukturen und architektonischen Besonderheiten der ehemaligen Bank wechselte ich auf längere Brennweiten. Diese Detailstudien isolieren den Charakter des Sandsteins und machen die handwerkliche Geschichte des Baus greifbar.

Für größere Ansicht einfach ins kleine Vorschaubild klicken. Danach könnt ihr innerhalb der Galerie blättern.
Fotografen-Ecke
Als Fotograf, der seine Arbeit den Bereichen Architektur und Fineart widmet, bietet das Iwalewahaus eine spannungsreiche Motivwelt zwischen historischer Substanz und kultureller Moderne. Hier teile ich meine Überlegungen, wie man dieses markante Gebäude visuell erschließt:
Lichtwechsel nutzen: Sei geduldig mit dem Wetter. Während diffuses Licht die Textur des Sandsteins gleichmäßig betont, sorgt direktes Sonnenlicht für die nötige Dramatik und harte Kanten, die für Architektur-Portfolio-Aufnahmen essenziell sind.
Die leere Straße meistern: Nutze die Technik der Langzeitbelichtung (mit Graufilter, falls nötig), um Passanten und Autos „auszuradieren“. Das isoliert das Motiv und lenkt den Fokus rein auf die Architektur.
Brennweiten-Varianz: Das Spektrum von 32 mm bis 200 mm ist ideal. Das Weitwinkel erzählt die Geschichte des Ortes im Stadtgefüge, während das Teleobjektiv abstrakte Fineart-Ausschnitte ermöglicht, die den „Charakter“ (Iwalewa) des Hauses im Detail zeigen.
Perspektivwechsel: Das Iwalewahaus steht an einer markanten Kreuzung. Experimentiere mit verschiedenen Standpunkten, um die Fluchtlinien des Gebäudes optimal zur Geltung zu bringen.